Handwerks News

Einführung zum 01.01.2025: E-Rechnung

5/14/2024

Am 22.3.2024 hat der Bundesrat grünes Licht für die Einführung der verpflichtenden elektronischen Rechnung (E-Rechnung), schrittweise ab dem 1.1.2025, gegeben.

Zwar werden alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, ab dem 1.1.2025 zum Empfang von E-Rechnungen verpflichtet.

Die Verpflichtung zur Ausstellung von E-Rechnungen wird jedoch zeitlich gestaffelt. Ab dem 1.1.2027 werden zunächst alle Unternehmen zur Ausstellung von E-Rechnungen verpflichtet, deren Vorjahresumsatz mehr als 800.000 Euro betragen hat. Ab dem 1.1.2028 müssen dann auch alle anderen Unternehmen E-Rechnungen für Leistungen im zwischenunternehmerischen Bereich ausstellen.

Die E-Rechnung stellt einen bedeutenden Umbruch in der Arbeitsweise der Handwerks-betriebe dar.

Sie bietet einerseits die große Chance, Arbeitsabläufe in den Betrieben effizienter zu gestalten, bürokratische Belastungen zu senken und die Liquidität zu verbessern.

Andererseits ist die Etablierung der E-Rechnung im Betrieb zunächst mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Auf diesem Weg kann die Handwerksorganisation die Betriebe begleiten.

Der ZDH unterstützt eine Unternehmens-Umfrage der Universitäten Nürnberg-Erlangen und Potsdam, um Informationen darüber zu gewinnen, wie weit die Handwerksunter-nehmen auf ihrem Weg zur Nutzung der E-Rechnung sind und welche Unterstützung sie dafür noch benötigen.

Wir möchten Sie daher herzlich bitten, an der Umfrage teilzunehmen, die Sie hier erreichen:

https://www.soscisurvey.de/eRechnung/?r=z

Der ZDH stellt eine Praxishilfe „Elektronische Rechnungen“ für Handwerksbetriebe zur Verfügung, die bei der Einführung einer passenden E-Rechnungssoftware im Betrieb helfen soll. Sie finden Sie auf dieser Website.

ZDH_Praxishilfe_elektronische_Rechnung


Berufsbildungsbericht: Handlungsbedarf bei der Berufsorientierung

5/10/2024
Zu dem am 8. Mai 2024 veröffentlichten Berufsbildungsbericht der Bundesregierung erklärt ZDH-Präsident Jörg Dittrich:

„Es ist gut, dass der diesjährige Berufsbildungsbericht der Bundesregierung betont, wie wichtig die berufliche Aus- und Weiterbildung ist, um Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Deutschland umzusetzen.

Damit wird ins öffentliche Bewusstsein gerückt, worauf wir als Handwerk schon seit langem hinweisen: Um ausreichend handwerkliche Fachkräfte für die Transformationsprozesse zu sichern, müssen die bildungspolitischen Entscheidungen der großen Bedeutung und notwendigen Wertschätzung der beruflichen Bildung Rechnung tragen.

Es ist Zeit für eine Bildungswende, die echte Gleichwertigkeit der beruflichen und universitären Bildung schafft.

Gerade weil die berufliche Ausbildung der beste Weg in die Fachkräftesicherung ist, muss jetzt politisches Handeln folgen, durch das mehr junge Menschen für eine Ausbildung begeistert werden. Dafür muss insbesondere die Berufsorientierung bundesweit in sämtlichen allgemeinbildenden Schulen, vor allem auch an Gymnasien, ausgebaut werden.

Auch mit der Förderung des Azubi- und Jugendwohnens und dem Angebot eines kostenreduzierten deutschlandweiten Azubitickets muss ein unmittelbarer Beitrag geleistet werden, um eine duale Ausbildung bei jungen Menschen attraktiver zu machen.

Politik, Gesellschaft und Handwerk müssen jungen Menschen verständlich machen, dass ein Ausbildungsberuf eine Bildungskarriere mit Sinn, Sicherheit und Zukunft verspricht. Die Auszubildenden heute sind die Fachkräfte von Morgen: Sie sind unverzichtbar für die anstehende Transformation der Wirtschaft.

Zwar ist es eine ermutigende Entwicklung und dem herausragenden Engagement der Handwerksbetriebe zu verdanken, dass nach den Pandemie-bedingten Rückgängen in den vergangenen Jahren die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk im Jahr 2023 wieder gestiegen ist.

Denn die Betriebe haben trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage mehr Ausbildungsangebote für junge Menschen geschaffen. Dennoch zeigt der Berufsbildungsbericht, dass es trotz dieser Anstrengungen noch nicht gelungen ist, bei den Ausbildungsneuverträgen wieder das Vor-Corona-Niveau zu erreichen.

Die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze bleibt zu hoch: Allein im Handwerk waren es im vergangenen Jahr rund 20.500 offene Stellen. Um in diesem Jahr mehr Jugendliche für einen Ausbildungsberuf zu begeistern, findet daher zwischen Mai und September zum vierten Mal der „Sommer der Berufsausbildung“ statt.

Bei verschiedenen Aktionen bringen die Beteiligten der Allianz für Aus- und Weiterbildung Betriebe und junge Menschen unter dem Motto #AusbildungSTARTEN zusammen.“

Quelle: www.zdh.de Bild: www.amh-online.de


Eissorte des Jahres 2024

4/26/2024
VegaNuss — eine Haselnuss-Köstlichkeit UNITEIS präsentiert VegaNuss, die Eissorte des Jahres 2024 in Deutschland: eine raffinierte und innovative Haselnusskreation im Einklang mit dem aktuellen veganen Trend.

Die offizielle Präsentation der Geschmacksrichtung erfolgte letzter November auf der MIG – Mostra Internazionale del Gelato – 2023 in Longarone (I), mit anschließender Verkostung. Die Eissorte wurde bei der ersten Präsentation mit einer exklusiven Dekoration auf der Basis von in Orangen-, Grapefruit- und Zitronensaft getränkten Sultaninen vorgestellt. Die Idee und der Vorschlag für dieses Aroma stammen von den Mitgliedern der Accademia di Gelateria Italiana in Deutschland. Das Rezept wurde speziell für die Uniteis-Mitglieder entwickelt, die es ab der Saison 2024 als Neuheit des Jahres in ihren Eisdielen anbieten werden. Viel Phantasie ist erlaubt bei den Sauce Variationen, hier kann der Eismacher ganz nach seinen Ideen vorgehen. Er kann das Eis mit einer Sauce seiner Wahl dekorieren und von gerösteten Haselnussstückchen bis hin zu dunkler Schokolade in flüssiger oder in Flockenform, vom Studentenfutter bis zur bei der Präsentation vorgeschlagenen Version ist alles möglich.

Für Verbraucher, die sich für eine vegane Ernährung entschieden haben, aber vor allem für solche mit Laktoseintoleranz, wird VegaNuss ein interessantes und vor allem leckeres Angebot sein!

Haselnuss Der Haselnussgeschmack ist ein Klassiker in den Eisdielen. Der Vorschlag, diese Geschmacksrichtung ohne Milch als Zutat anzubieten, ist eine Bereicherung des Angebots, die die Loyalität einer von Jahr zu Jahr wachsenden Kundengruppe von Veganern und Menschen mit Laktoseintoleranz weiter stärken wird. Aber nicht nur das: Auch andere Besucher der Eisdiele werden sich für das Haselnusseis in der veganen Version interessieren. VegaNuss wird zu einem neuen Geschmackserlebnis, da der Haselnussgeschmack in seiner Reinheit hervorgehoben wird. Hinzu kommt die jeweilige Variation, die dieses Erlebnis noch zusätzlich unterstreicht.

Initiative „Eissorte des Jahres“ Die Eissorte des Jahres in Deutschland ist eine Initiative von Uniteis, die 2000 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, unser Land als Herkunftsort von Speiseeis zu repräsentieren und die treibende Kraft hinter einer Marketingkampagne zu sein. Im Laufe der Jahre hat sie sich weiterentwickelt und verschiedene innovative Geschmacksrichtungen vorgestellt, die zu Trends im Speiseeiskonsum geworden sind. Von klassischen, herzhaften Geschmacksrichtungen über von der deutschen Konditorkunst inspirierte Sorten bis hin zu Sorten mit extravagantem Alkohol- oder Gewürzgeschmack und Gesundheitsaromen – die Palette der in den letzten zwei Jahrzehnten vorgestellten Köstlichkeiten könnte als ein Kapitel in der Geschichte der Entwicklung der Vorlieben für Speiseeis interpretiert werden.

Das Hauptziel besteht jedoch darin, bei der Eröffnung der Saison eine breite Medienberichterstattung und einen Erfolg zu erzielen. Die Initiative „Eissorte des Jahres“ hat somit das positive Image von Speiseeis italienischer Herkunft und die Rolle des Verbandes bei der Unterstützung dieses Produkts gefestigt. Ganz zu schweigen davon, dass Uniteis mit dieser Strategie eine Vorreiterrolle bei der Vorstellung von Trends im Speiseeiskonsum eingenommen und sich eine prominente Präsenz in den deutschen Medien gesichert hat.

Quelle: www.uniteis.com Bild: Kati Finell – stock.adobe.com


Erlebnis Deutsche Brotkultur: Am 5. Mai ist Tag des Deutschen Brotes!

3/27/2024
Am 5. Mai feiern die Deutschen Innungsbäcker den Tag des Deutschen Brotes und laden alle Genießer ein, die Sinnlichkeit des Brotes zu entdecken.

Knackige Kruste, zarte Krume, unverwechselbarer Duft und aromatischer Geschmack – bewusster Brotgenuss ist ein Erleben mit allen Sinnen, und das wird in Deutschland großgeschrieben. Ob ein entspanntes Frühstück mit frischen Brötchen, eine Brotzeit zwischendurch mit vielseitigem Belag oder ein gemeinsames Abendbrot, das Familie und Freunde an einen Tisch bringt – Brot ist nicht nur für Genießer, Brot ist Grundnahrungsmittel und darf auf keinem Tisch fehlen. Am Tag des Deutschen Brotes, der alljährlich am 5. Mai stattfindet, wird diese Deutsche Brotkultur mit einem Festtag gewürdigt.

„Brot gehört zum Alltag einfach dazu und gerade in bewegten Zeiten sollten wir das Alltägliche stärker in den Blick nehmen und wertschätzen“, so Roland Ermer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Bundesweit werden Handwerksbäcker an diesem Tag Kunden mit speziellen Angeboten begeistern, Einblicke in ihre Backstuben geben oder zu besonderen Veranstaltungen einladen.

Darüber hinaus übergibt der amtierende Brotbotschafter Lars Klingbeil, der sich als Bundestagsabgeordnete im zurückliegenden Jahr für die Brotkultur und das Bäckerhandwerk stark gemacht hat, am Tag des Deutschen Brotes den Staffelstab an die neue Brotbotschafterin.

Quelle: www.innungsbaecker.de Bild: monticellllo – stock.adobe.com


Mehr Wertschätzung für Arbeit und Leistung

5/3/2024
Arbeit ist Verantwortung, Mitbestimmung, Teilhabe und Leistung: Zum Tag der Arbeit am 1. Mai fordert ZDH-Präsident Jörg Dittrich mehr Wertschätzung für die tagtägliche Leistung von Betrieben und Beschäftigten ein.

Arbeit und Leistung müssen wertgeschätzt werden. Klingt logisch? Mit Blick auf die politische Debattenlage bin ich mir aber nicht so sicher, ob bei politischen Entscheidungen und im politischen Handeln dieses Grundverständnis so verinnerlicht ist. Ich habe eher den Eindruck, dass lieber gehofft, gewartet und geschaut wird, wann es sich wieder zum Besseren wendet und sich Zukunftszuversicht quasi von alleine wieder einstellt.

Doch wäre es nicht viel zielbringender, selbst anzupacken und Dinge voranzubringen? Wenn man sich allerdings den aktuellen politischen Diskurs anschaut, dann drängt sich schon die Frage auf: Wollen wir eigentlich noch – mit etwas anfangen, für etwas anfangen, uns anstrengen? Wirklich FÜR etwas arbeiten?

Dafür braucht es ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsames Narrativ gewissermaßen, das aufzeigt, warum es sich lohnt, zu arbeiten und sich anzustrengen. Und das vor allen Dingen eben auch anerkennt, wenn jemand diese Leistung erbringt. Leistung ist ein Begriff, der vollkommen zu Recht eng mit dem Begriff Wirtschaft verknüpft ist: Weil Wirtschaft leistet. Weil Arbeitgeber und Beschäftigte gemeinsam durch ihrer aller tägliche Arbeit Wohlstand schaffen, die soziale Sicherung finanzieren, Arbeits- und Ausbildungsplätze verantworten.

Und was mir als Handwerkspräsident, der sowohl die Betriebsinhaberinnen und -inhaber wie auch die Beschäftigten vertritt, wichtig ist: Wirtschaft ist kein Entweder-Oder, nicht die Arbeitgeber oder die Arbeitnehmer, nicht die Großen oder die Kleinen. Wirtschaft ist gemeinsam etwas schaffen und gemeinsam so zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen: Erfolgreiches Wirtschaften erbringt den Kitt für unsere Gesellschaft oder noch kürzer: Wirtschaft ist Gesellschaft.

Im Handwerk wird das ganz besonders deutlich, denn mit einem Jahresumsatz von 735 Milliarden Euro leisten wir nicht nur genauso viel wie die Weltkonzerne Apple, META und Google zusammen. Mit rund 16 Millionen Menschen, die als Familienmitglieder eng mit dem Handwerk verknüpft sind, und unserem ehrenamtlichen Engagement sind wir zentral für das gesellschaftliche Zusammenleben. Handwerk ist überall – in den kleinen Orten wie den großen Städten. Die Arbeit und das Miteinander beim Arbeiten im Handwerk zeigen, wie Soziale Marktwirtschaft im Alltag gelebt wird.

Ein Punkt, der für mich zentral ist, wenn wir über die Merkmale Sozialer Marktwirtschaft sprechen: Dass Arbeit einen Wert und einen Sinn hat, der weit über die finanzielle Komponente hinausgeht. Arbeit ist Verantwortung, ist Mitbestimmung, ist Teilhabe – und ja, ist auch Leistung. Und als solche muss sie wertgeschätzt werden, indem sie sich schlicht wieder mehr lohnt.

Denn Lohnen tut sich Leistung derzeit nicht wirklich, egal wen wir fragen. Weil der Faktor Arbeit schlicht zu hoch belastet ist: Was Beschäftigten genauso wie Betrieben von ihrer Leistung am Ende des Tages übrig bleibt, ist einfach zu wenig. Hier gilt es, zu entlasten, zu motivieren und wertzuschätzen. Wer Fesseln löst, schafft auch Freiraum für mehr wirtschaftliche Dynamik – und die brauchen wir, um nicht nur einfach unseren Wohlstand zu halten, sondern auch neuen Wohlstand zu schaffen.

Dafür darf es nicht allein um kleinteilige, komplizierte Vorschläge gehen, die hier oder da halbherzig etwas ausbessern. Leistung – Arbeit – lohnt sich dann wieder, wenn wir wieder mehr Wettbewerb wagen und wieder mehr Vertrauen in das Handeln von selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmern haben. Dieses Grundverständnis ist essenziell, damit wir nicht weiter darüber diskutieren müssen, wie gut oder schlecht die Lage gerade ist, sondern uns wieder darauf konzentrieren, wieder bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Das muss man wollen. Und dann eben auch anpacken und machen: Als Handwerker kann ich Ihnen sagen, dass sich Arbeit auch und gerade dann lohnt, wenn man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat.

Quelle: www.zdh.de Bild: ZDH/Henning Schacht


Immer schön cool bleiben

4/26/2024
Kühle Luft auf Knopfdruck – die bietet heute fast jedes Auto. Doch damit das auch so bleibt, benötigt die Klimaanlage regelmäßige Wartung.

Der Mensch gewöhnt sich schnell an Luxus. Wie zum Beispiel an die Klimaanlage, die mittlerweile selbst bei Kleinwagen zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Und weil so gut wie kein Autohersteller deren regelmäßige Überprüfung im Rahmen der Wartung vorsieht, erinnert man sich erst wieder daran, wenn die Erfrischung aus den Lüftungsdüsen ausbleibt.

Das liegt daran, dass eine Klimaanlage pro Jahr rund zehn Prozent ihres Kältemittels verliert. Und damit geht auch ein Verlust des Schmiermittels für den Klimakompressor einher. Dann besteht große Gefahr, dass dieser sich mangels Schmierung festfrisst. Damit nicht genug, meistens reißt als unmittelbare Folge auch noch der Antriebsriemen, sodass man liegenbleibt.

Deshalb sollte man die Klimaanlage alle zwei bis drei Jahre überprüfen lassen, spätestens aber, wenn ein Nachlassen der Kühlleistung spürbar wird. Dann sollte ein umfassender Klimaservice durchgeführt werden, der ein komplettes Entleeren der Anlage, ihre Neubefüllung entsprechend der Werksvorgabe sowie bedarfsweise eine Desinfektion des Verdampfers beinhaltet.

Diese ist unbedingt erforderlich, wenn die Anlage unangenehme Gerüche verströmt. Das passiert überwiegend im Kurzstreckenbetrieb, wenn nicht genügend Zeit für die Selbstreinigung bleibt und sich gesundheitsschädliche Bakterien und Schimmelpilze am Verdampfer ansiedeln. Diese werden dann vom Gebläse in den Innenraum gewirbelt, sorgen so für den üblen Duft.

Professionelle Reinigung und Desinfektion sind Werkstattsache. Außerdem gehört das Erneuern des Pollenfilters dann dazu, da dieser zumeist auch von allerlei Mikroorganismen besiedelt ist.

Deshalb ist es besser, mit der Werkstatt einen Termin für eine umfassende Klimawartung auszumachen. Am besten, bevor es wieder richtig warm wird und plötzlich viele Leute feststellen, dass ihre Klimaanlage nicht mehr richtig kühlt.

Quelle: www.kfzgewerbe.de Bild: Jon Anders Wilken – stock.adobe.com


Zeit, endlich den Wachstumsturbo zu zünden

4/26/2024
Anlässlich der Veröffentlichung der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung am 24. April erklärt Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH):

„Erneut ist ein allenfalls nur minimales Wachstum zu erwarten, erneut ist kein deutlicher Wachstumsanschub zu erkennen, erneut wird der wirtschaftspolitische Handlungsdruck deutlich, erneut stellt sich die Frage: Wo bleiben die überfälligen Reformen, um endlich die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu stärken? Es ist dringend an der Zeit, zu machen und ein mutiges, mittelstandsorientiertes Wachstumspaket auf die Straße zu bringen.

Die Betriebe und Beschäftigten im Handwerk erwarten zu Recht, dass die Bundesregierung deutlich entschlossener anpackt, um wieder Rahmenbedingungen zu schaffen, die Leistung wertschätzen. Dafür braucht es eine echte Wettbewerbs- und Wachstumspolitik, die den strukturellen Reformstau auflöst.

Diese Priorisierung ist auch mit Blick auf die anstehende Haushaltsaufstellung der Bundesregierung entscheidend: Aus Sicht des Handwerks muss der Fokus eindeutig auf Zukunftsinvestitionen, auf Bildung und auf einer deutlich besseren Wettbewerbsfähigkeit des Standortes liegen.“

Quelle: www.zdh.de Bild: ZDH/Henning Schacht


Zukunftsinvestitionen und Wettbewerbsfähigkeit fördern

4/18/2024
Die Wirtschaft erwartet von der Politik Reformen, um die Zukunft des Standorts Deutschland zu sichern: Dazu sollte Politik die Vorschläge der Wirtschaft aufgreifen, so ZDH-Präsident Jörg Dittrich zu Rena Lehmann von Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ).

Herr Dittrich, BDI-Chef Russwurm hat der Ampel-Regierung gerade ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Für die Wirtschaft seien es zwei verlorene Jahre gewesen. Schließen Sie sich der Kritik an?

Nicht wenige unserer Mitgliedsverbände berichten vom Frust und teils auch von Wut in den Betrieben. Die erwarten, dass der Kanzler und die Regierung endlich die Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt stellen. Bisher ist das nicht so. Wir weisen seit Jahren auf die Defizite und Missstände hin, nicht erst seit zwei Jahren. Viele davon können nur durch grundlegende strukturelle Reformen behoben werden. Seit 2014 haben wir zu wenige Investitionen, wir haben seit 2019 kein Wachstum mehr. Man kann auf den Ukraine-Krieg verweisen, aber andere Länder stehen trotzdem derzeit besser da als wir.

Nimmt Kanzler Olaf Scholz die Lage nicht ernst, wenn er sagt, die Klage sei des Kaufmanns Lied?

Dass der Kanzler sich diese Woche die Zeit genommen hat, mit uns über die Lage zu sprechen, werte ich als positiv. Die vier großen Wirtschaftsverbände haben dem Kanzler bereits vor Wochen sehr konkrete Vorschläge gemacht, die verdeutlicht haben, wie ernst die Lage ist. Deutschland kann mehr, aber wir sind Schlusslicht in vielen Bereichen. Wir können nicht hinnehmen, dass wir von Spitzenpositionen verdrängt werden. Auch Europa wartet darauf, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft der EU wieder in Schwung kommt.

Sind Sie in Ihrem Gespräch mit Olaf Scholz in dieser Woche einen Schritt weitergekommen?

Nun: Es ist noch einmal sehr deutlich geworden, dass es sehr unterschiedliche Sichtweisen dazu gibt, in welchem Zustand sich die deutsche Wirtschaft befindet, und wie es um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes bestellt ist. Daraus ergeben sich dann natürlich auch unterschiedliche Schlussfolgerungen, welche Maßnahmen nötig sind. Auf beiden Seiten hat man erkannt, dass sich die Spitzenverbände und der Kanzler mehr austauschen müssen, um eine gemeinsame Sicht und Maßnahmen zu erarbeiten. Wir werden uns also häufiger treffen müssen.

Ist die Wirtschaftswende mit Steuerentlastungen und einem Moratorium für Sozialausgaben, wie es die FDP in ihrem Leitantrag auf dem kommenden Parteitag, nach ihren Vorstellungen?

Wir vier führenden Wirtschaftsverbände haben zehn Punkte und Handlungsfelder vorgeschlagen. Wenn die Regierung nun sagen würde, wir greifen Punkt drei, fünf und sieben auf, das wäre schon einmal ein guter Schritt. Man muss einfach endlich mal ins Machen kommen. Der Anfang wäre gemacht, wenn die Ampel die Wirtschaftspolitik ersichtlich und erkennbar in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt.

Was würde dem Handwerk konkret helfen?

Es muss wieder Zuversicht erzeugt werden. Wir brauchen das Zutrauen, dass sich unsere Arbeit in der Zukunft auszahlt. Weil diese Zuversicht derzeit fehlt, sehen wir eine Investitionszurückhaltung in allen Bereichen, vom Wohnungsbau bis hin zu Firmeninvestitionen, bei Neugründungen und Übergaben. Alle warten lieber ab. Überall stockt es. Die Zulassungszahlen für E-Autos gehen zurück. Es fehlen einfach Planungssicherheit und Verlässlichkeit. Nehmen Sie die Frage, wo der grundlastfähige Strom künftig herkommen soll: Das ist nicht geklärt. In der aktuellen Lage braucht es jetzt vor allem Anreize, damit Betriebe wieder investieren.

Der Staat rühmt sich damit, dass er Rekordinvestitionen tätigt. Aber wir haben ein Bruttoinlandsprodukt von mehr als 4 Billionen Euro. Da werden die 70 Milliarden Euro, die der Bund investiert, nicht reichen. Der Staat muss dafür sorgen, dass die Privatwirtschaft wieder investiert. Das würde dann auch dem Handwerk helfen. Dazu braucht es Sicherheit, klare Rahmenbedingungen: Bürokratieabbau, Entlastungen und die Wertschätzung von Selbstständigkeit, unternehmerischem Risiko und beruflicher Ausbildung.

Wäre das Aussetzen der Schuldenbremse für Investitionen aus Ihrer Sicht notwendig?

Zuallererst sollte es darum gehen, zu entscheiden, wofür wir Geld ausgeben wollen. Dabei sollte aus meiner Sicht der Fokus auf Zukunftsinvestitionen und der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts liegen, denn nur dann lässt sich auch der Sozialstaat nachhaltig finanzieren. Wenn Zukunftsinvestitionen nur mit neuen Schulden zu haben sind, sollte man diesen Weg meinetwegen nicht kategorisch ausschließen.

Aber ich plädiere dafür, erstmal die Ausgaben zu überprüfen, bevor die Schuldenbremse diskutiert wird, die ja auch ein wesentliches Element der Generationengerechtigkeit ist. Ganz generell würde ich mir wünschen, dass Politik sich darauf konzentriert, eine Lösung und einen Weg zu finden, auch losgelöst von jeweiligen Parteipositionen: Etwa wenn es darum geht, Zukunftsinvestitionen auszufinanzieren, die Zukunftsfähigkeit der Sozialsysteme zu sichern, Technologieoffenheit bei Klimaschutzmaßnahmen zuzulassen, also immer dann, wenn es gilt, die Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes zu verbessern und zu sichern.

Würde es dem Handwerk helfen, wenn Überstunden künftig steuerfrei sind. Das schlägt Christian Lindner vor?

Wir denken tatsächlich zu wenig an diejenigen, die zwar 40 Stunden arbeiten, aber nicht genug haben, um sich wegen der hohen Zinsen und Baukosten noch ein Eigenheim leisten zu können. Da gibt es inzwischen viele, die noch zusätzlich in einem Mini-Job arbeiten. Es ist aber doch ein Unding, dass ein Heizungs-Sanitär-Fachmann abends noch Pizza ausfährt, statt noch eine Wärmepumpe mehr einzubauen. Der Vorschlag so ist allerdings noch nicht ausgegoren. Besonders Frauen, die vielleicht in Teilzeit arbeiten, würden davon nicht profitieren.

Mit dem Bürokratieentlastungsgesetz sollen nun Aufbewahrungsfristen verkürzt und die Schriftform mit digitalen Mitteln ersetzt werden. Ist das der Durchbruch beim Bürokratieabbau?

Absolut nicht. Das ist nicht der Befreiungsschlag, den wir brauchen. Die Aufbewahrungsfristen der Akten von zehn auf acht Jahre zu verkürzen, das bringt wenig. Viel entscheidender wäre es, zu verhindern, dass diese Aktenberge überhaupt erst entstehen. Von den hunderten Vorschlägen wurden lediglich vereinzelte Punkte ins Bürokratieentlastungsgesetz aufgenommen. Mein Vorschlag: Warum setzen wir Dokumentationspflichten nicht einfach mal zwölf Monate aus und schauen, was passiert?

Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Wir sind auf dem Bau jetzt verpflichtet, Bauschaum-Schulungen für die Mitarbeiter zu machen, weil der Schaum Reaktionen auf der Haut auslösen kann. Wer bitte sprüht sich Bauschaum auf die Haut? Die überbordende Bürokratie ist inzwischen ein handfestes Hindernis bei Betriebsnachfolgen: Viele Absolventen unserer Meisterlehrgänge wollen sich nicht mehr selbstständig machen – aus Angst vor Bürokratie und der Vielzahl an Formularen.

Jede Vorschrift, davon sollte man ausgehen, hat oder hatte ja mal ihren Sinn. Welche Bürokratie kann man denn ersatzlos streichen?

Bürokratieabbau tut weh. Er bedeutet mehr Vertrauen und weniger Kontrolle. Aber wir müssen jetzt die Kraft dazu finden, Bürokratie radikal abzubauen. Im Augenblick gilt: Was nicht dokumentiert ist, wurde nicht gemacht. Das ist absolutes Misstrauen gegenüber den Unternehmern. Dabei sind genau sie es, die die Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und damit erwirtschaften, was an Steuern und Abgaben dann zu unser aller Wohl eingesetzt wird. Es wäre daher mehr als wünschenswert, wenn im parlamentarischen Verfahren zum Bürokratieentlastungsgesetz noch viele Regelungen abgebaut werden.

Quelle: www.zdh.de Bild: ZDH/Henning Schacht


Tag des deutschen Bieres – Viele Gründe zum Feiern

4/18/2024
Traditionell steht der 23. April in jedem Jahr ganz im Zeichen des Bieres. Denn am 23. April 1516 wurde das Reinheitsgebot für Bier verkündet. Seitdem gehört in unser Bier nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe.

Deutsche Biere – nicht nur geschmacksvoll, sondern auch rein

Vor über fünfhundert Jahren forderte der bayerische Herzog Wilhelm IV. auf einem Landständetag in Ingolstadt: Zum Brauen sollten nur wenige natürliche Zutaten verwendet werden dürfen. Er wollte damit das manchmal wüste Treiben beim Bierbrauen beenden. Waren doch die Menschen im Lauf der Zeit auf die abenteuerlichsten Ideen gekommen, um ihrem Bier einen besonderen Geschmack zu verleihen oder um es haltbarer zu machen: Vom Zusatz von Kräutern, von Ruß für Dunkelbier, von Kreidemehl, um sauer gewordenes Bier wieder genießbar zu machen, und sogar von Stechapfel und Fliegenpilz wird berichtet. Manch dubiose selbsternannte „Brauer“ schreckten damals vor nichts zurück.

Qualitätsprüfung mit dem Hosenboden

Deshalb nahm der bayerische Herzog am 23. April 1516 die Sache selbst in die Hand und verkündete in Ingolstadt: Bier darf nur aus Wasser, Hopfen und Gerste bestehen. Die Hefe wurde damals nicht erwähnt, da man die genaue Wirkungsweise der Hefe noch nicht kannte. Die sich im Verlauf der Gärung vermehrende Hefe wurde zu dieser Zeit als Produkt der Bierbereitung angesehen, nicht als bedeutende Zutat. Erst später gelang es, Hefe zu züchten und damit auch eine gleichbleibende Qualität des Bieres sicherzustellen.

Übrigens war auch in den Zeiten vor dem Erlass des Reinheitsgebotes das Bier auf seine Qualität geprüft worden. Die Verfahren, mit denen man die Qualität des Bieres prüfte, können jedoch nicht unbedingt als wissenschaftlich bezeichnet werden. Die wirkungsvollste Methode im 15. und 16. Jahrhundert soll wohl ganz einfach gewesen sein: Eine Bank wurde mit Bier bestrichen. Die amtlichen Prüfer in ihren ledernen Hosen setzten sich drauf und blieben drei Stunden lang still sitzen. Auf Kommando sprangen sie gleichzeitig auf. Blieb die Bank an der Hose kleben, war das Bier nicht zu beanstanden. Blieb die Bank jedoch stehen, wurde das offensichtliche Vergehen des Brauers bestraft.

Der Stolz der deutschen Brauer Das Reinheitsgebot ist noch heute gültig. Deutsches Bier darf auch im dritten Jahrtausend nur vier Zutaten enthalten: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Keine Geschmacksverstärker, keine Farbstoffe, keine Konservierungsstoffe. Das Reinheitsgebot hat nichts an Aktualität verloren in Zeiten, in denen immer wieder Lebensmittelskandale aufgedeckt werden und bei vielen verarbeiteten Produkten die Zutaten in ihrer Vielfalt und Herkunft nur schwer zu durchblicken sind.

Mehr als 6.000 verschiedene Biere sind es, die in Deutschland gebraut werden. Dass sie alle unterschiedlich schmecken, liegt an vielen verschiedenen Faktoren: an der Rezeptur, am Brauwasser, an der Art, wie das Getreide gemälzt wurde, an den Aromen des verwendeten Hopfens und nicht zuletzt gerade auch am Fingerspitzengefühl des Braumeisters.

Feiern rund um den 23. April Nach über fünfhundert Jahren gilt das Reinheitsgebot als eine der ältesten Lebensmittelverordnungen der Welt – und ist heute aktuell wie nie, da die deutschen Brauer auch heute noch nach dieser Vorgabe ihr Bier brauen. Der Erlass aus dem Jahr 1516 ist längst ein weltweiter Inbegriff für die Qualität deutscher Biere.

Und das wird mit dem „Tag des Deutschen Bieres“ gefeiert. Brauer, Gastronomen, Getränkehändler und viele andere begehen in jedem Jahr den 23. April mit verschiedensten Aktionen wie z.B. Brauereifesten, Lesungen, Jazzfrühschoppen, Bierseminaren, Braukursen und Brauereibesichtigungen.

Quelle: www.brauerbund.de Bild: torwaiphoto – stock.adobe.com


Handwerkliche Interessenvertretung ist Gratwanderung

4/12/2024
Die Interessenvertretung des Handwerks muss auf dem schmalen Grat zwischen nötiger Debatte und respektvollem Miteinander und im demokratisch vorgegebenen Rahmen erfolgen, so ZDH-Präsident Jörg Dittrich in einem Gastbeitrag für Table Media.

Normalerweise bekomme ich Anfragen zu den aktuell virulenten Themen des Handwerks und zu unseren Forderungen, Bürokratie abzubauen, die berufliche Bildung zu stärken, die Finanzierung der Sozialversicherung zu reformieren oder die Steuer- und Abgabenlast zu verringern. Über die Pressestelle des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks hat mich nun die Frage von Table Media erreicht, ob ich mich zum Thema „Gefährdung der offenen Gesellschaft durch Populismus“ äußern wolle.

Allein der Inhalt der Frage zeigt, dass wir nicht in normalen Zeiten leben. Wir leben in Zeiten, in denen Demokratie und Freiheit keine Selbstverständlichkeit mehr sind, sondern von Populisten in Frage gestellt werden. Und wenn wir ehrlich sind, dann sind es nicht nur vereinzelte Außenseiter, die die Strukturprinzipien unseres Staates in die Zange nehmen. Die Prognosen im Wahljahr 2024 zeigen, dass etwas ins Rutschen gekommen ist.

Vielleicht haben wir in den „guten Zeiten“ verlernt, einen kritischen Diskurs zu führen, hart in der Sache, aber mit Anstand zu diskutieren. In früheren Jahrzehnten sind im Bundestag die Fetzen geflogen. Strauß und Wehner lieferten sich dort legendäre Redeschlachten. Die haben sich gestritten wie die Kesselflicker. Dann setzte eine Phase ein, in der es wohl als allzu selbstverständlich erschien, dass Demokratie auch ohne großes Zutun funktioniert.

Die harmonische Kompromisssuche stand im Fokus, Konflikte wurden überwiegend intern und nicht medial laut geführt. Die Parteien wollten nach außen geschlossen und geeint erscheinen. So rieten es Politikberater und PR-Strategen. Vielleicht haben wir es damit übertrieben. Denn heute stellen wir mit Erstaunen fest, dass unsere Demokratie und die Freiheit, in der wir leben, angreifbar sind. Demokratie, Freiheit und Vielfalt werden vom Grundgesetz garantiert. Ja. Aber es sind die Menschen, die diese Prinzipien mit Leben füllen müssen. Und es ist deren tägliches Handeln und Denken, das aus Worten des Grundgesetzes gelebte Realität werden lässt.

Aber was genau ist gelebte Demokratie? Was ein Leben in Freiheit? Wie machen wir unser Land zukunftsfest – wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch? Das müssen wir diskutieren. Dazu gehört auch der Streit um die beste Idee. Meinungsvielfalt ist die Grundlage für die Weiterentwicklung von gesellschaftlichen Diskussionen. Zuspitzung ist nötig, um Gedanken und auch unterschiedliche Lösungsansätze zu verdeutlichen. Wie sollten Politiker und Parteien sonst unterschieden werden und um Wählerstimmen werben? Wo aber beginnt der Populismus, den wir als Gefahr für die Pluralität unseres Landes empfinden?

Soziologen und Politikwissenschaftler schreiben darüber lange Aufsätze und können Kriterien und Definition sicher gut herleiten. Ich bin Dachdeckermeister. So, wie ich es täglich in meinem Handwerksbetrieb erlebe, im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen und mit Kundinnen und Kunden, habe ich den Eindruck, dass es gar nicht darauf ankommt, die perfekte Definition für Populismus parat zu haben. Es geht vor allem um die gefühlte Wahrnehmung der Menschen.

Offenbar haben immer mehr von ihnen den Eindruck, dass politische Entscheidungen ihre Lebensrealität nicht mehr widerspiegeln. Es verfestigt sich bei nicht wenigen offensichtlich das Gefühl, dass diese Entscheidungen von Personen getroffen werden, die eher selten oder gar nicht wissen, wie es in den Betrieben, wie es in entlegenen Landregionen zugeht, und womit die Menschen dort in ihrem Alltag konfrontiert sind. Zur Unsicherheit kommen dann Frust, Ablehnung und Wut hinzu. Und diese Gefühle beherrschen immer mehr auch den politischen Diskurs, in dem es darum gehen sollte, gute Lösungen zu finden.

Wer etwas Herzensbildung hat, merkt jedoch schnell, ob jemand von der Meinungsfreiheit Gebrauch macht, um etwas zum Besseren zu wenden, oder ob es eigentlich darum geht, Hass und Zwiespalt in die Gesellschaft zu tragen. Bei den meisten funktioniert dieser innere Kompass gut. Und er ist in Diskussionen vielleicht manchmal wichtiger als das flüchtige Erfolgsgefühl, Recht zu haben.

„Man kann jemanden bis zum Überdruss widerlegen, ohne ihn zu überzeugen. Das Gefühl überlebt die Einsicht“, hat Jean Paul notiert. Diese so treffend formulierte Beschreibung spiegelt auch die Erfahrungen, die ich in meinem Betrieb mache und die Erfahrungen, die in anderen Handwerksbetrieben gesammelt werden: Nicht über Belehrung werden wir die Menschen erreichen und populistischen Strömungen entgegenwirken, sondern nur dadurch, dass wir zuhören, Angebote machen, Lösungen für die täglichen Sorgen und Unsicherheiten der Beschäftigten schaffen, und dadurch, dass wir wieder Zuversicht verbreiten und Mut machen.

Oft begegnen mir in Diskussionen Menschen, die sich ganz sicher sind, welche weiteren Eskalationen oder Demonstrationen nötig sind, um die Veränderungen zu erreichen, die es jetzt dringend braucht. Nicht selten fallen dann Sätze wie: „Das wird man doch noch sagen dürfen!“ oder „Man darf das so nicht mehr sagen!“ Keine Frage: Die eigene und freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut, aber sie hat ihre Grenzen dort, wo sie sich zur einzig gültigen Meinung aufschwingt und die Meinungen anderer nicht mehr zur Kenntnis nimmt.

Oft melden sich erst nach Veranstaltungen die Ruhigeren bei mir. Es sind die, die es ertragen können, dass nicht sofort für alles die einfache Antwort da ist. Es sind die, die in der Kompromissfindung und -suche den Weg sehen. Es ist aber eben auch gerade diese Gruppe von Menschen, deren Meinung in der Wahrnehmung verloren zu gehen droht.

Die Ruhigeren scheuen häufig die Angreifbarkeit. Sie scheuen, zur Zielscheibe von vorschnellem Niedermachen zu werden. Und plötzlich erleben wir einen unwidersprochenen Populismus. Wie also soll sich der Ruhigere ausdrücken? Laut antworten oder gar auch schreien?

Ich bin überzeugt: Davon wird es nicht besser. Dann schreien wir uns alle nur noch an. Wir müssen im Kontext von Populismus eben auch über Gefühle sprechen. Über unsere Ängste und Sorgen, bei Transformation, Energiewende und Inflation als Verlierer vom Platz gehen zu können. Über Ungewissheit, Unsicherheit und Zögerlichkeit. Letztlich über die Zweifel der Menschen darüber, ob das Zukunftsversprechen noch gilt. Ob es besser wird. Und unsere Kinder eine bessere Zukunft haben werden als wir selbst.

Wie können die Menschen im Herzen erreicht werden? Wie ist es zu schaffen, die Probleme klar zu benennen, Kritik zu üben, ohne dabei Frust zu schüren, Wut, Verzweiflung und Empörung anzustacheln und damit letztlich die Gesellschaft zu spalten?

Genau auf diesem schmalen Grat zwischen nötiger Debatte und respektvollem Miteinander zu wandern, das ist die Pflicht, in der nicht nur ich persönlich, sondern auch die Interessenvertretung des Handwerks steht. Es gilt eine klare Position zu vertreten und auch Kritik zu üben – aber eben immer in dem demokratisch vorgegebenen Rahmen.

Populismus beginnt für mich als Handwerker bei Aussagen, die die Gesellschaft auseinandertreiben. Aussagen, die die Menschen in unüberbrückbare Lager spalten. Aussagen, die das Fundament unserer sozialen Marktwirtschaft zu unterspülen drohen.

Im Handwerk arbeiten viele hochgebildete Menschen. Manche von ihnen mussten Anlauf nehmen, bevor sie Erfolg hatten. Aber die überwältigende Mehrheit von ihnen kann etwas, was uns nicht erst der kleine Prinz gelehrt hat. Nämlich mit dem Herzen sehen. Es ist die Super-Power gegen Populismus.

Und Sie? Was sieht Ihr Herz?

Quelle: www.zdh.de Bild: ZDH/Henning Schacht



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