Kleine und mittlere Betriebe dürfen bei Entlastungsprogrammen nicht außen vor bleiben, fordert ZDH-Präsident Wollseifer gegenüber „dpa“.

„Wir erwarten nicht, dass der Staat alle Risiken abfedern kann. Aber dort, wo er mit Unterstützungsprogrammen hilft, dürfen die kleinen und mittleren Betriebe nicht außen vor bleiben! Wir haben da eine Schieflage, vor allem beim Thema Energiekosten“, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber Andreas Hoenig von der „dpa“.

„Aktuell ist die Lage für sehr viele Handwerksbetriebe äußerst schwierig. Die Unternehmen und Betriebe im Handwerk sind stark verunsichert durch die Lage insgesamt, speziell durch die Materialknappheit und exorbitante Preissteigerungen, durch dramatische Energiepreiserhöhungen und die Inflation.

Schon vor zwei Monaten hat knapp die Hälfte der Handwerksbetriebe von mindestens einer Verdopplung der Energiekosten berichtet. Jetzt werden es wahrscheinlich noch wesentlich mehr sein. In einer solchen Lage verlässlich Kostenkalkulationen zu machen, das ist schwierig. Wir können diese Kosten nicht in der gleichen Höhe, wie sie bei uns anfallen, an die Kundinnen und Kunden – gerade der öffentlichen Hand – weitergeben. Das alles führt dazu, dass viele Aufträge nur noch als Minusgeschäft zu erfüllen sind, was auf Dauer kein Betrieb aushalten kann. Von daher trifft das die Betriebe wirtschaftlich ganz intensiv.“

„Dazu kommt, dass es immer mehr Stornierungen und Auftragsverschiebungen gibt. Eine Reihe von Betrieben beispielsweise im Tiefbau haben sogar mit kompletten Produktionsausfällen zu kämpfen, weil etwa Stahl und Bitumen nicht vorhanden sind. Wir haben große Probleme im Kfz-Handwerk, weil Ersatzteile nicht erhältlich sind.

All das bringt viele Betriebe an den Rand der Existenz. Das macht uns im Handwerk mittlerweile immer größere Sorgen. Es ist daher ganz wichtig, dass die Bundesregierung jetzt das ihr Mögliche tut, um die betroffenen Handwerksbetriebe zu unterstützen, damit sie durch diese schwierige Zeit kommen.“

„Wir erwarten nicht, dass der Staat alle Risiken abfedern kann. Er kann nicht alle Preisentwicklungen mit öffentlichen Geldern dämpfen. Aber dort, wo der Staat mit Unterstützungsprogrammen hilft, dürfen die kleinen und mittleren Betriebe nicht außen vor bleiben! Wir haben da eine Schieflage, vor allem beim Thema Energiekosten.

Es kann nicht sein, dass man sich nur daran ausrichtet, ob ein Unternehmen international orientiert ist und im internationalen Wettbewerb steht. Entscheidend muss doch einzig und allein der Energiebedarf und damit die Energiekostenbelastung sein, die hier in Deutschland die Geschäftstätigkeit belastet.“

„Beim Holz haben sich die Preise im Moment auf hohem Niveau eingependelt, der Preiszuwachs läuft wesentlich langsamer und kontinuierlicher. In anderen Bereichen ist das bei Weitem nicht der Fall, zum Beispiel bei Metallen. Die Preise schießen weiter in die Höhe. Das gilt auch für Kunststoffe und für Dämmstoffe.

Das ist langfristig nicht kalkulierbar für die Betriebe. Das führt dazu, dass Betriebe bei der Angebotsabgabe damit rechnen müssen, dass der Auftrag ins Minus läuft. Das können die Betriebe auf lange Sicht wirtschaftlich nicht durchhalten. Von daher müssen wir wieder zu einer Stabilisierung kommen.“

„Es ist gut, wenn der Bund Preisgleitklauseln für öffentliche Gebäude vorschreibt, aber nicht ausreichend, weil bei Ländern und Kommunen dieses Signal ganz offensichtlich nicht angekommen ist. Unsere Betriebe sagen uns, dass nur etwa 10 Prozent der Kommunen bereit sind, Preisgleitklauseln in laufende Verträge oder neue Verträge einzubauen. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele unserer Betriebe nicht unbedingt motiviert sind, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. Es werden deutlich weniger Angebote abgegeben.

Es kann auf Dauer auch nicht im Interesse der Kommunen und Länder liegen, dass unsere Betriebe Verträge zu voraussichtlich defizitären Aufträgen abschließen, und dass sie es dann bei lang laufenden Aufträgen nicht überstehen. Die Kommunen und Länder müssen hier Entgegenkommen zeigen. Dass viele Betriebe vor Ort in die Insolvenz gehen, kann nicht gewünscht sein. Dann fehlen Steuerzahler, dann fehlt die Leistung für die Kommune. Von daher hoffen wir, dass der Bund hier konkrete Handlungsempfehlungen macht.“

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
Bild: www.amh-online.de